Letzte Woche, Coaching-Session mit einem Vertriebsleiter. Er sagt: "Ich habe den ganzen Tag gearbeitet, aber am Abend das Gefühl, nichts geschafft zu haben." Ich frage ihn, wie oft er am Tag zwischen Aufgaben wechselt. Er schätzt: vielleicht 20 Mal. Die Forschung sagt: im Schnitt 566 Mal in acht Stunden.
Das ist kein persönliches Versagen. Das ist das neue Normal. Gloria Marks Langzeitstudien zeigen, dass unsere durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne am Bildschirm auf 47 Sekunden gesunken ist – 2004 waren es noch 2,5 Minuten. Microsofts Work Trend Index von 2025 belegt: Während der Kernarbeitszeit erreicht uns alle zwei Minuten eine Benachrichtigung. Nach jeder Unterbrechung brauchen wir im Schnitt 23 Minuten, um den ursprünglichen Fokus wiederherzustellen.
Das betrifft nicht nur den Büroalltag. Auf dem Tennisplatz sehe ich dasselbe Muster: Ein Spieler verliert einen Punkt und ist gedanklich noch drei Ballwechsel später beim Fehler. Im Meeting verlierst du den Faden, weil eine Slack-Nachricht aufpoppt. Der Mechanismus ist identisch – die Aufmerksamkeit wird gekapert.
Die gute Nachricht: Aufmerksamkeit ist trainierbar. Eine Studie im Fachjournal eNeuro (Kim et al., 2025) ließ 69 Erwachsene zwischen 18 und 80 Jahren 30 Tage lang täglich 10 bis 15 Minuten Achtsamkeit üben. Das Ergebnis war über alle Altersgruppen eindeutig: Die Aufmerksamkeitssteuerung verbesserte sich messbar.
Was ich meinen Klienten empfehle, ist kein Wellness-Programm. Es sind drei konkrete Hebel:
Alltag: Plane bewusste Fokusfenster. 90 Minuten ohne Benachrichtigungen – nicht als Luxus, sondern als Arbeitswerkzeug.
Leistung: Trainiere deine Aufmerksamkeit wie einen Muskel. Zehn Minuten täglich reichen. Atem beobachten, Gedanken bemerken, zurückkehren. Das ist das Prinzip.
Umfeld: Sprich mit den Menschen um dich herum darüber, was du brauchst. Fokus entsteht nicht in Isolation, sondern in einem Umfeld, das ihn ermöglicht.
Bewusstes Nichtstun ist keine verlorene Zeit. Es ist der Moment, in dem dein Gehirn Informationen verarbeitet und neue Energie schöpft. Wer dauerhaft liefern will, muss auch dauerhaft aufladen.
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